14.07.15

"Madame Rosella und die Liebe" von Tuna Kiremitçi


"Madame Rosella und die Liebe" erzählt die Geschichte der 88 jährigen Jüdin Rosella und des jungen, türkischen Mädchens Pelin. Madame Rosella flüchtete damals vor den Nazis nach Istanbul und sucht nun eine türkischsprachige Person zur Unterhaltung. Pelin hingegen möchte mit dem Job nur ihr Studium finanzieren. Und so sind die Gespräche der beiden anfänglich distanziert, werden jedoch immer persönlicher. Sie reden über Rosellas Zeit in Istanbul, über Männer, Sex das Leben und die Liebe.

Das gesamte Buch ist in Dialog-Form geschrieben und besteht ausschließlich aus Dialogen zwischen Madame Rosella und Pelin. Ich fand diese Schreibweise zu Anfang etwas ungewohnt und musste mich erst ein wenig daran gewöhnen. Durch diese besondere Schreibweise wird man durch nichts abgelenkt und konzentriert sich vollkommen auf das Gespräch zwischen den beiden Frauen.

Tuna Kiremitçi schreibt sehr poetisch. Viele der Sätze sind einfach nur schön. Zudem legt der Autor seinen beiden Protagonistinnen viele kluge Worte in den Mund, über die ich noch lange nachgedacht habe. Die ein oder andere Passage hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht, andererseits habe ich nicht den Eindruck, dass etwas fehlt. Und jetzt im Nachhinein kommt mir die Geschichte auch umfangreicher als "nur" 224 Seiten vor, weil sie ganz schön tiefgründig ist.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ist eine herzerwärmende Geschichte mit Tiefgang voller Poesie und schöner Worte.

Madame Rosella und die Liebe | Tuna Kiremitçi | btb | 2015 | Taschenbuch | 224 Seiten | ISBN: 978-3442749348 | Preis: 8,99€ | Leseprobe |

09.07.15

"Girl on the train" von Paula Hawkins


Rachel pendelt täglich mit dem Zug nach London. Auf Grund einer Signalstörung hält der Zug jeden Morgen an der gleichen Stelle an und gewährt Rachel einen Blick in fremde Häuser. Rachel beobachtet die darin lebenden Menschen, gibt ihnen Namen und baut in ihrer Vorstellung ein perfektes Bild von ihnen auf. Doch eines Tages geschieht etwas, was nicht in Rachels Bild passt. Als kurz darauf auch noch eine Bewohnerin der Häuser verschwindet, wendet Rachel sich an die Polizei und wird immer tiefer in die Geschichte hineingezogen.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Rachel, Anna und Megan erzählt.

Rachel, welche die Hauptfigur ist, ist eine Alkoholikerin und lebt fernab der Realität in ihrer eigenen Blase. Ich habe Rachel immer wieder als abstoßend empfunden. Gleichzeitig hat sie mir sehr Leid getan. Im Laufe der Geschichte erzählt die Autorin warum Rachel angefangen hat zu trinken, man erfährt welcher Leidensdruck hinter einer Alkoholsucht steckt und sieht zu welchen Problemen sie führen kann.  Anna hat mich sehr genervt und ich habe sie als extrem überheblich empfunden. Ich verstehe zwar viele ihrer Sorgen und Probleme, dennoch habe ich ihr nicht getraut, dafür hat sie sich für mich zu sehr hinter einer Maske aus "Ich bin ja so eine tolle Mutter und Ehefrau" versteckt. Auch mit Megan bin ich nicht wirklich warm geworden. Sie war mir einfach zu flatterhaft und unbeständig.

Wirklich sympathisch ist mir also keine der drei Figuren gewesen. Figuren, die mir nicht sympathisch sind oder mich gar so abstoßen, wie Rachel es stellenweise tut, führen oft dazu, dass ich ein Buch abbreche. Bei dieser Geschichte hat mich das jedoch nicht gestört, denn die Figuren sind für diese Geschichte genau richtig so wie sie sind.

Die Geschichte hat mich gepackt, ich wollte immer wissen was passiert ist, was aus der Vermissten geworden ist und ob sie nicht vielleicht doch wieder auftaucht. Darüber habe ich auch nachgedacht, wenn ich nicht gelesen habe. Ein bisschen ist das Buch so, wie wenn man von einem solchen Vermisstenfall in der Zeitung liest und in den Tagen danach noch häufiger an die verschwundene Person denkt.

Im Laufe der Zeit entsteht ein immer komplexeres Gesamtbild. Dadurch, dass man erst einmal wenig weiß, baut sich schnell Spannung auf. In der Mitte zieht sich die Geschichte etwas und ich habe immer darauf gewartet, dass etwas passiert. Auf den letzten 150 Seiten nimmt die Spannung dann aber wieder zu. Ich konnte keiner der Figuren trauen, hatte zwar immer wieder einmal eine Vermutung, was denn geschehen ist, richtig aufgeklärt hat sich aber alles erst gegen Ende. Auch werden gegen Ende einige noch offene Fragen beantwortet, so dass sich das Ende rund und richtig anfühlt.

Insgesamt hat mich "Girl on the train" von Paula Hawkins wirklich sehr gut unterhalten. Die Figuren fand ich interessant, denn jede der drei Ich-Erzählerinnen bricht auf ihre ganz eigene Art mit den gesellschaftlichen Normen in der Hoffnung, ihr Glück zu finden. In der Mitte war die Story ein klein wenig langatmig, davon abgesehen fand ich sie aber spannend. Und auch mit dem Ende bin ich zufrieden.


Girl on the train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich | Paula Hawkins | blanvalet | 2015 | Broschiert | 445 Seiten | ISBN: 978-3-7645-0522-6 | 12,99€ | Leseprobe

Vielen Dank an blanvalet für das Rezensionsexemplar. Diese Rezension beinhaltet meine Meinung und die Zusendung war seitens des Verlags an keine Bedingungen gebunden. 

07.07.15

Die 4. Etappe des Kölnpfads | Wandern in Köln

Wanderwegmarkierung des Kölnpfads
Der Kölnpfad ist ein 171 KM langer Rundwanderweg um Köln. In insgesamt 11 Etappen führt der Kölnpfad einmal rund um die Stadt. Neulich bin ich nun die für mich erste Etappe gelaufen. Ich wollte etwas Neues sehen und weil schönes Wetter war, wollte ich auch in der Nähe vom Wasser sein. Ich habe mich dann für die 4. Etappe entschieden. Diese führt von Roggendorf/Thenhoven nach Merkenich und ist etwa 11 Kilometer lang - vorausgesetzt man verpasst wie ich den Endpunkt nicht. Aber dazu später mehr.

Der Worringer Bruch
Vorab habe ich mir die Route genau auf Google Earth angesehen. Mein Handy sowie die Ersatzakkus waren aufgeladen und den Wanderführer hatte ich natürlich auch dabei. Da mein Orientierungssinn manchmal kreativ ist wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen, um mich nicht zu verlaufen. Diese Sorge war jedoch völlig unbegründet, denn der Kölnpfad ist wirklich sehr gut beschildert und ausgewiesen. An Bäumen, Lampen und Straßenschildern findet man die kleinen Wegweiser. Ich habe nur in meinen Wanderführer geschaut, mein Handy samt GPS habe ich nicht gebraucht. Die nächste Etappe werde ich diesbezüglich also beruhigter angehen.

Am Rande des Worringer Bruchs
Mit der S-Bahn bin ich bis Worringen gefahren. Von dort erreicht man dann in wenigen Minuten den Worringer Bruch, welcher der tiefste Punkt Kölns ist und als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Am Rande des Worringer Bruchs läuft man dann eine Art Feldweg entlang. Bei schlechtem Wetter ist dieser Wegabschnitt vermutlich eine matschige Angelegenheit. Bei mir war jedoch alles trocken. Ich fand diesen Abschnitt herrlich. Rechts der kühle, schattige Wald, links das offene Feld. Außer mir war kein Mensch dort und ich war mit mir und der Natur alleine. Das war so wohltuend und entspannend.



Gegen Ende dieses Wegstückes läuft man dann an einem recht einsam gelegenen Haus / Hof, einem verlassenen Restaurant und einer kleinen Tankstelle vorbei. Mitten im Nirgendwo. Diese Szenerie erinnerte mich sehr an eine Filmkulisse. Dass man sich im Stadtgebiet einer Millionenstadt befindet, ist bei diesem Anblick sehr weit weg.Über eine wenig befahrene Landstraße geht es dann weiter auf den nächsten Feldweg, welcher direkt auf den Deich zuführt. Hier bin ich dann auch dem ersten Menschen begegnet, einem Spaziergänger mit zwei Hunden.

Auf dem Deich in Richtung Langel
Auf dem Deich angekommen, war es dann vorbei mit der Ruhe, denn er war voller Radfahrer. Es war an einem Wochentag um die Mittagszeit und dafür wirklich sehr voll. Ich war froh, nicht am Wochenende dort entlang zu wandern, dann ist die Strecke vermutlich fast schon überfüllt. Der Deich führt fast schnurgerade auf Langel zu. Die Sonne brannte auf die asphaltierte Strecke und zwischenzeitlich fühlte es sich so an, als würde sich die Sohle meiner Schuhe vor Hitze auflösen. Der Rhein war auch relativ weit weg und die meiste Zeit konnte man ihn vor lauter Bäumen gar nicht sehen. Immerhin gab es eine schöne Aussicht über die Felder auf den Colonius.




Dennoch bin ich froh gewesen, als ich in Langel an der Fährstation angekommen bin. Hier gibt es die Möglichkeit mit Blick auf den Rhein im Bistro / Restaurant "Zur Fähre" einzukehren. Ebenfalls kann man die Wanderung hier beenden und mit dem Bus (Linie 121) zurück fahren. Ich bin jedoch direkt weitergegangen. Auf dem Deich geht es weiter in Richtung Rheinkassel. Auch hier ist man die meiste Zeit leider recht weit vom Rhein entfernt. Dieser Abschnitt hat mir jedoch direkt wieder viel besser gefallen als der erste Deichabschnitt.


Zwischen Langel und Rheinkassel habe ich auf einer Bank mit Blick ins Grüne ein paar Minuten Pause gemacht um mein mitgebrachtes Brot zu Essen. Ich wollte eigentlich schon etwas früher Pause machen, die Bänke waren jedoch alle besetzt.

St. Amandus in Rheinkassel
In Rheinkassel läuft man dann direkt auf die Kirche St. Amandus zu. Dass quasi direkt vor der Kirche die Pferde grasen ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern sagt auch viel über die dörfliche Idylle Rheinkassels aus. Rheinkassel im Rücken geht es nun wieder über eine kleine und wenig befahrene Straße weiter ins nächste Dörfchen, Kasselberg. Im KasselbergerGretchen gibt es die nächste Möglichkeit zur Einkehr. Die Außenterasse sah wirkich nett aus und dort kann man bestimmt schön sitzen, ich bin aber auch hier weitergegangen.

Kasselberg im Rücken, Merkenich voraus
Am Kasselberger Campingplatz vorbei geht es dann weiter in Richtung Merkenich. Von hier ist es dann nicht mehr weit bis zur Endhaltestelle der Linie 12. Dort endet die 4. Etappe des Kölnpfads.

Wenn man nicht wie ich einfach weiterläuft. Im Wanderführer stand zwar genau wo ich hätte abbiegen müssen, um zur Haltestelle zu gelangen, auf der anderen Straßenseite sah ich jedoch ein Kölnpfadzeichen. Und da ich mich an den Zeichen so schön orientiert hatte, folgte ich ihm weiter. Und weiter über die Autobahnbrücke und an den Fordwerken vorbei. Mir war zwar klar, dass hier etwas nicht stimmte und dass ich mich von der Straßenbahnhaltestelle entferne, aber da waren ja die Kölnpfadzeichen... Als ich dann vor dem Fühlinger See stand, wurde mir auch bewusst was nicht stimmt. Ich befand mich schon auf der 5. Etappe und bin am Endpunkt der 4. Etappe einfach vorbei gelaufen. Und dass die Beschilderung weiterführt ist auf einem Rundwanderweg ja auch nur logisch, da das Ende der 4. Etappe auch der Anfangspunkt der 5. Etappe ist. Nun ja. Ich bin dann einfach wieder zurück gegangen und war froh, als ich in der Bahn saß.

Insgesamt hat mir diese Etappe gut gefallen. Am schönsten fand ich den ersten Abschnitt am Worringer Bruch entlang. Der erste Deichabschnitt hingegen hat mir nicht so gut gefallen. Ich habe viele Fotos gemacht und mich an der Natur erfreut. Und am Ende des Weges hat sich wieder einmal bestätigt, dass denken hilft.

06.06.15

"Mordsommer" von Rudi Jagusch


Nina lebt in Köln und steht kurz vor ihrer Beförderung zur Oberstaatsanwältin. Mit ihrer Karriere wäre es jedoch schnell vorbei, wenn heraus kommen würde, was Nina vor über 20 Jahren getan hat. Als sie einen anonymen Brief erhält, der sie zu einem abgelegenen Ort in der Eifel bittet, sieht sie um ihr Geheimnis zu wahren keine andere Möglichkeit, als der Einladung zu folgen. Am Zielort angekommen, stellt Nina fest, dass nicht nur sie, sondern auch die anderen Mitglieder ihrer alten Clique, eine Einladung erhalten haben. Statt Freude über das Wiedersehen herrscht Misstrauen und schnell wird klar, dass jemand ein mörderisches Spiel mit der Clique spielt.

03.06.15

2 x 11 Fragen | Liebster Award


Awards stehe ich skeptisch gegenüber. Sie erinnern mich zu sehr an Kettenbriefe und werden mir meist zu inflationär verteilt. Ich freue mich zwar, wenn jemand an meinen Blog denkt, nehme die Awards aber meist aus den genannten Gründen nicht an.

Wie überall gibt es jedoch auch hier Ausnahmen. Bereits im April hat mich Julia zum Liebster Award nominiert. Zu dem Zeitpunkt steckte ich noch im Umzugschaos und somit komme ich erst jetzt dazu, ihre Fragen zu beantworten. Da ich sowohl Julia als auch ihren Blog sehr mag, freue ich mich sehr über ihre Nominierung. Auf "Fräulein Julia" bloggt Julia über Literatur, Kultur, Berlin & Köln, Reisen und schöne Dinge.

Der Award soll Blogger untereinander vernetzen und bietet eine gute Möglichkeit, die Leser auf andere tolle Blogs aufmerksam zu machen. Jeder bekommt 11 Fragen gestellt, welche er beantwortet und denkt sich wiederum 11 Fragen aus. Diese neuen 11 Fragen werden dann anderen Bloggern gestellt.

Hier sind nun Julias Fragen und meine Antworten: