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09.11.14

Kunst, Kultur, Musik und Literatur - die Kölner Museumsnacht 2014


Gestern fand die nun schon 15. Museumsnacht Köln statt. Von 19.00 bis 03.00 Uhr hatten insgesamt 46 Museen geöffnet. Neben den regulären Ausstellungen gab es auch knapp 200 Veranstaltungen. Via Shuttlebussen, welche Rundtouren gefahren sind, konnte man die einzelnen Museen erreichen. Im Vorfeld war es gar nicht so einfach, sich zu entscheiden und die eigene Tour zu planen, weil wirklich viele tolle Veranstaltungen angeboten worden sind.

Wir haben gleich zu Beginn umgeplant und sind direkt ins Praetorium gegangen. Dort stehen Überreste des Amtssitzes des Statthalters zur Zeit der Römer. Das Praetorium galt als wichtigster römischer Palast am Rhein und war der bedeutendste offizielle Bau der damaligen Stadt Köln. Auch wenn mich diese Epoche gar nicht so sehr interessiert, ist es schon sehr beeindruckend, vor einem solch alten Bauwerk zu stehen. Um 20.00 Uhr (und wiederholt um 23.00 Uhr) hat Stefan Keller aus "Kölner Luden", seinem dritten Krimi um Privatdetektiv Marius Sandmann, gelesen. Die Geschichte entführt die Leser ins Kölner Rotlichtmilieu der 60er Jahre. Auch wenn uns die Lesung nicht ganz so gut gefallen hat und wir früher gegangen sind, bin ich neugierig auf Stefan Kellers Bücher geworden.

Praetorium Köln
Danach sind wir zur Domgrabung gegangen. Die Domgrabung führt in den Untergrund des Kölner Doms und wird seit 1946 erforscht. An der Stelle des heutigen Doms befanden sich auch vor Baubeginn Kirchen, welche quasi immer wieder überbaut worden sind. Neben den Fundamenten des heutigen Doms sind auch noch die Überreste der früheren Kirchen zu sehen, was sehr interessant war.  Im Rahmen der Museumsnacht durfte man sich auch ohne Führung umschauen. Zeitweilig war es etwas voll und es staute sich ein wenig, was aber in Anbetracht der schmalen Gänge nicht verwunderlich war.

historischer Schienenbus
Anschließend sind wir zum Hauptbahnhof gegangen und von dort mit einem alten Schienenbus nach Nippes in das Rheinische Industriebahn-Museum gefahren. Dort werden alte, rheinländische Eisenbahnen und Loks restauriert und ausgestellt. Da es schon dunkel war, konnte man leider wenig vom Gelände sehen. Auf uns wirkte auch alles sehr durcheinander und unstrukturiert. Schade fand ich, dass an den Zügen keine Schilder mit Hinweisen oder Erklärungen zu den Zügen standen. Irritiert hat uns auch ein wenig, dass alles vollgestellt war, von Schrauben über alte Kaffeebecher bis zum Trabi. Im Rahmen der Museumsnacht war es okay das mal zu sehen, extra hinfahren würde ich aber nicht.

Chaos oder Kunst? 
Zurück in der Innenstadt sind wir dann zum Römisch-Germanischen Museum gegangen. Wenn man in Köln und der Umgebung aufwächst, dann gibt es zig Pflichtbesuche (Kindergarten, Schule, Ferienfreizeit, Kommunionsgruppe, Schüleraustausch...) im Museum, weswegen es mir als sehr langweilig in Erinnerung geblieben ist. Welches Kind guckt sich auch schon gerne ein paar alte Scherben und Steine an... Gestern ist um 22.30 Uhr Patrick Salmen (Autor, Poetry Slammer und Geografie-und-Promi-Namen-Rätsel-Erfinder) aufgetreten, was definitiv ein Grund war, dem Museum einen Besuch abzustatten. Seine Lesung war unheimlich witzig und leider viel zu schnell vorbei. Die nächsten Termine von Patrick Salmen werde ich auf jeden Fall im Auge behalten, denn er hat Wiederholungswert.

Patrick Salmen im Römisch-Germanischen Museum Köln
Nach der Lesung sind wir nach Köln-Mülheim gefahren, um uns im Kulturbunker die Ausstellung "Big Brother´s Brave New World" anzuschauen. 25 Künstler haben Ihre Werke zum Umgang "mit dem wachsenden Verlust unseres privaten Raums" (Zitatquelle: Programmheft) ausgestellt. Mit einigen Werken konnte ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen, andere haben mir hingegen sehr gut gefallen. Ich mag es sehr, wenn Kunst zum nachdenken anregt, und das ist den Künstlern der Ausstellung auf jeden Fall gelungen.

Nach dem Kulturbunker sind wir dann weiter ins Abenteuermuseum Odysseum gefahren. Die momentan dort gastierende Harry Potter Ausstellung war nicht zugänglich, dafür jedoch die verschiedenen Wissenswelten mit 200 Erlebnisstationen und dem Museum mit der Maus. Ich finde Museen, in denen man selbst Dinge machen, anfassen und ausprobieren kann toll. Möglichkeiten bietet das Odysseum dazu genügend, auch wenn man deutlich merkt, dass das Museum für Kinder angelegt ist. Interessant zu sehen war es dennoch. Sehr interessiert hätte mich auch der Flugsimulator, aber um 02.15 Uhr hatte ich einfach keine Lust mehr, mich da anzustellen.

Um 03.30 Uhr bin ich dann müde, aber auch voller neuer Eindrücke ins Bett gefallen.

Als ich das Programm gelesen habe, klang 19.00 bis 03.00 Uhr noch nach sehr viel Zeit, welche in Wirklichkeit dann doch sehr schnell vergeht. Mir hat die Museumsnacht gefallen und ich hätte nichts dagegen, wenn sie heute noch einmal stattfinden würde, um noch weitere Programmpunkte zu sehen.

Die Bilder sind per Handy entstanden und auf Grund der Lichtverhältnisse nicht so gut geworden. Für einen kurzen Eindruck sollten sie aber reichen ;)

Domliebe. Wenn ich ihn sehe, muss ich ihn einfach fotografieren.

24.10.14

"Dolfi und Marilyn" von Francois Saintonge


Wir schreiben das Jahr 2060. In einem Pariser Vorort lebt Tycho Mercier, alleinerziehenden Vater und Professor für Geschichte. Auf Umwegen gewinnt er bei einer Tombola einen Klon. Doch A.H.6 ist nicht irgendein Klon, sondern das sechste Exemplar der inzwischen verbotenen Klonserie Adolf Hitlers. Während Tycho zwiegespalten ist und nicht weiß, ob er den Klon entsorgen oder behalten soll, freundet sich sein Sohn schnell mit ihm an, nennt ihn Dolfi und spielt mit ihm mit großer Begeisterung Kriegsspiele am Computer. Während Tycho weiter zweifelt, macht sich Dolfi nützlich und verrichtet Gartenarbeiten. Als Tycho dann auch noch eine illegal geklonte Marilyn Monroe erbt, welche sich tagsüber um den Haushalt und nachts um Tycho kümmert, ist in Tychos Leben nichts mehr so, wie es mal war.

Nachdem ich zum ersten Mal den Klappentext gelesen habe, war mein erster Gedanke, dass das Buch sicherlich herrlich strange, humorvoll und skurril ist. Da ich solchen Büchern gegenüber nicht völlig abgeneigt bin, und die Idee Hitler zu klonen durchaus interessant (nur im Buch, nicht in der Realität!) finde, war ich sehr gespannt auf "Dolfi und Marilyn", welches in Frankreich als Überraschungserfolg gefeiert wird. Der Name Francois Saintonge ist ein Pseudonym, hinter welchem sich ein erfolgreicher französischer Autor verbergen soll.

Erst nach etwa 100 Seiten konnte ich mich in die Geschichte einfinden. Die Schreibe des Autors ist stellenweise zwar durchaus anspruchsvoller, seine Art zu erzählen jedoch sehr langatmig. Dialoge gibt es kaum, so dass sich fast die ganze Geschichte als einziger Monolog der Hauptfigur darstellt. Und dieser neigt zu ausführlichen Erklärungen, Abschweifungen und ständigen Wiederholungen. Über Dinge, die mich interessiert hätten wie z.B. das Leben im Jahre 2060 oder die Reaktionen anderer Länder auf die Entwicklungen gegen Ende der Geschichte erfährt man hingegen wenig bis gar nichts.

Die Hauptfigur, Tycho Mercier, ist mir unsympathisch gewesen. Er ist sehr selbstgefällig, dabei ein Langweiler ohne soziale Kontakte, der sich in der Geschichte vergräbt und selbst bemitleidet und im wahren Leben zu naiv ist. Interessant fand ich hingegen die Darstellung der Klone. Leider hatte ich hier jedoch häufiger den Eindruck, als wisse der Autor nicht so genau, wie er die Klone denn eigentlich darstellen soll. Denn auch wenn Klone eigentlich genaue Abbilder des Originals sind, sind diese Klone hier dressierbar wie teure Haustiere, bescheiden, zurückhaltend und fast schon ein wenig dümmlich ohne jegliches Ego oder Selbstwertgefühl. Mich hat die Beschreibung oft mehr an Roboter als an Klone und somit genaue Abbilder erinnert. 
"Er hatte sehr genau begriffen, dass Dolfi ein armer Kerl, ein Opfer war, dem man das Gesicht des größten Verbrechers der Geschichte verpasst hatte." 
(Dolfi und Marilyn, Francois Saintonge, Seite 166)
In der vom Autor gezeichneten Gesellschaft sind die Klone keine vollwertigen Menschen und Parallelen zur Judenverfolgung während der NS-Zeit sind deutlich erkennbar. Umso skurriler ist es, auf einmal zu lesen, dass Adolf Hitler verfolgt und von Menschen versteckt und somit von der Liquidierung verschont wird. 

Eigentlich hätten diese Erzählstränge und Themen gereicht, doch der Autor versuchte auch noch die Liebe in der Geschichte unterzubringen. Ich fand die Geschichte zwischen Tycho und Marilyn einfach komisch, leider jedoch nicht im witzigen Sinne komisch. Für eine wirkliche Liebesgeschichte kommen viel zu wenige Emotionen rüber. Mehr als deutlich wird jedoch, wie sehr Tycho Marilyn sexuell begehrt. Da sie jedoch nicht wirklich menschlich, sondern roboterhaft dargestellt wird, hat dies schon etwas sehr surreales. So, als würde jemand immer vom Sex mit einer Gummipuppe berichten und diese dabei total vermenschlichen.  

Saintonge hat es jedoch auch geschafft, seiner Geschichte einen nachdenklich machenden und philosophisch anmutenden Ansatz zu geben. Denn nicht nur Tycho Mercier, sondern auch ich als Leserin, sah mich auf einmal mit diversen Fragen rund um die Thematik des Klonens konfrontiert. Wie menschlich sind Klone? Warum lassen sie es sich gefallen, nicht menschlich behandelt zu werden? Wenn man einen Klon liebt, liebt man dann einen oder mehrere, da sie ja eigentlich alle gleich sind? 

Das Buch wird als humorvoll angepriesen und ich dachte vor dem Lesen auch, dass es sicher auch lustig ist. Wenn das Buch Humor beinhaltet, hat er sich jedenfalls gut versteckt, denn ich habe ihn nicht gefunden. Wirklich lustig sind hingegen die Gesichter der Menschen in der Bahn, die einen Blick auf das Cover erhaschen und dann vööölllig unauffällig versuchen herauszufinden, was das denn bloß für ein Buch ist. 

Das Buch ist insgesamt sehr skurril und ich habe noch nie eine solch merkwürdige Geschichte gelesen. Die Idee zur Geschichte finde ich wirklich gut, die Umsetzung konnte mich leider nicht völlig überzeugen. Insgesamt wirkt die Geschichte nicht rund, ist einerseits zu viel und andererseits fehlt etwas. Trotz aller Kritik konnte mich das Buch aber auch unterhalten. Und zwar so sehr, dass das Buch drei Herzchen von mir bekommt. "Dolfi und Marilyn" ist sicherlich nicht für jeden Leser etwas, kann den richtigen Leser jedoch für einige Stunden in eine surreale, merkwürdige Welt begleiten.


Dolfi und Marilyn | Francois Saintonge | carl´s books | 2014 | broschiert | 288 Seiten | ISBN: 978-3570585375 | Preis: 14,99€ 

Vielen Dank an carl´s books für das Rezensionsexemplar. 

22.10.14

Herbstspaziergang. Oder: Auch in Elsdorf kann man Schönes entdecken.


Es gibt Orte, von denen ich eigentlich bislang nur gehört habe. Eine Lichtung im Wald mit einem Tümpel und weichem Moos, auf dem man geht wie auf einem dicken Teppich, ist einer dieser Orte. Durch die Erzählungen verschiedener Schriftsteller bin ich schon häufig an solchen Orten gewesen, nun erstmalig auch physisch. 

Kürzlich bin ich ein paar Tage bei meinen Eltern gewesen, weil ich einfach ein wenig raus aus der Stadt wollte. War Elsdorf bislang für mich ein Ort, den ich hauptsächlich mit einem hässlichen Loch, minimalistischen Busfahrplänen und weiteren, typisch dörflichen Dingen verband, erlebte ich nun, wie schön es dort sein kann. 

Einfach nur da zu sitzen, ein wenig zu lesen, das Smartphone im Flugmodus, keine Menschen zu sehen und einfach nur zu sein. Das habe ich sehr genossen. 

Beauty is where you find it. 














Das Loch aka Tagebau Hambach. Hier wird mit den größten Baggern der Welt Braunkohle abgebaut. Und auch wenn die Bagger hier klein aussehen, haben sie gigantische Ausmaße und sind sehr beeindruckend.



Selfie | Reste von Burg Reuschenberg | Ein Platz in der Sonne mit Blick in den Tagebau - Terra Nova

05.10.14

"Einfach unvergesslich" von Rowan Coleman


Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Nie. Das dachte auch Claire. Doch dann geschieht es immer öfter, dass da auf einmal nicht mehr ihre PIN, der Name ihrer Tochter oder die Farbe ihrer Vorhänge präsent im Kopf sind, sondern nur noch eine graue Nebelwand. Mit Anfang 40 erhält Claire die Diagnose Alzheimer, was nicht nur ihr Leben, sondern auch das Leben ihrer Familie völlig auf den Kopf stellt. Doch auch wenn sie immer mehr vergisst, so vergisst Claire nie die Liebe und fängt an, in ihrem Erinnerungsbuch all die kleinen und großen Dinge, die sie liebt und festhalten möchte, aufzuschreiben.

Dieses Buch ist mir durch sein aufsehen erregendes Cover und den tollen Klappentext aufgefallen. Mir gefällt das Cover mit seinen Punkten als Metapher, für all die Erinnerungen, die Claire in ihr Erinnerungsbuch schreibt, sehr gut. Ich weiß natürlich nicht, ob sich der Verlag bei der Gestaltung des Covers das gleiche gedacht hat, aber für mich passen Cover und Geschichte gut zusammen.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive von Claire und ihrer ältesten Tochter, Caitlin, erzählt. Durch Einträge in das Erinnerungsalbum kommen jedoch auch alle anderen, wichtigen, Personen zu Wort. Dadurch erfährt man einerseits wie es ist, so jung an Alzheimer zu erkranken, die Arbeit aufgeben zu müssen und zu wissen, nicht mehr selbst für die eigene Familie sorgen zu können. Andererseits erfährt man auch wie es ist, mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen zusammen zu leben, was alles andere als einfach ist.

Sehr gut ausgearbeitet hat die Autorin, Rowan Coleman, die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren untereinander. Auch auf diese Beziehungen hat Claires Erkrankung ihre Auswirkungen, was die Autorin ebenfalls sehr gut verdeutlicht. Besonders die Liebesgeschichte zwischen Claire und ihrem 10 Jahre jüngeren Mann Greg ist schön. Davon zu lesen, wie sie ihn nicht als ihren geliebten Mann, sondern als Bedrohung empfindet, weil sie ihn nicht mehr erkennt, war deswegen ganz schön bitter.

Es gab viele Szenen, die mich schmunzeln ließen. Gerade  die Rückblicke in die Vergangenheit zeigen, dass Claire ein lustiger und lebensfroher Mensch gewesen ist. Doch auch bei der ein oder anderen Beschreibung einer durch Alzheimer verursachten Situation musste ich schmunzeln. Und unweigerlich sah ich mich mit der Frage konfrontiert, ob man das überhaupt darf, oder ob das unschicklich ist.

Es gab jedoch auch viele Szenen, welche sehr beklemmend gewesen sind. Gerade die Beschreibungen, wie Claire mit ihrem Gedächtnis kämpft, wie sie nach einem Wort oder einer Information sucht, von der sie weiß, dass sie da sein müsste, aber einfach nicht hinter die graue Nebelwand kommt – das war schon nicht einfach zu lesen. Jeder kennt es sicherlich, mal kurz etwas zu vergessen. Das ist meist nervig, in der Regel weiß man jedoch auch, dass der Gedanke kurz darauf wiederkommt. Wenn ich mir jedoch vorstelle, nicht mehr zu wissen ob das gesuchte Wort tatsächlich wiederkommt oder für immer weg ist und meinem eigenen Kopf nicht mehr trauen könnte, finde ich das sehr beängstigend.

Der Verlauf der Geschichte hat mir gut gefallen. Dabei gibt es auch einige kleinere Nebengeschichten, denn das Leben der anderen Figuren geht ja trotz Claires Erkrankung weiter, was das Buch für mich realistischer gemacht hat.

Einzig das Ende war mir ein wenig zu gewollt und irgendwie zu künstlich positiv.

Fazit:

„Einfach unvergesslich“ lässt sich sehr gut lesen. Die Figuren, aber auch die beschriebenen Situationen sind sehr gut ausgearbeitet. Das Buch ist sehr gefühlvoll, geht einem beim lesen nahe und verdeutlicht, welch ein Segen ein gesund funktionierendes Gehirn ist.


Einfach unvergesslich | Rowan Coleman | PIPER | 2014 | broschiert | 409 Seiten | ISBN 978-3492060011 | Preis: 14,00€ |

02.10.14

"Mutter des Monats" von Gill Hornby

© KiWi
Klappentext: 

"Auf, auf zum fröhlichen Mütterkampftag!

Wer sammelt am meisten Geld, backt den köstlichsten Kuchen, schreibt die besten Protokolle, hat den innigsten Kontakt zum Schulrektor, kurz: Wer wird Mutter des Monats? Intrigen, Schulbälle, Versammlungen und Kofferraumverkäufe - ein Schuljahr hat ja für die ehrgeizige Mutter noch so viel mehr zu bieten als die reine Hausaufgabenbetreuung und das Schmieren von Pausenbroten. Gill Hornby hat einen bitterbösen und saukomischen Roman geschrieben, der alle lesenden Mütter begeistern wird."

Quelle: KiWi 

Thematisch passt dieses Buch eigentlich überhaupt nicht zu meinen Interessen und ich bin auch keine Mutter. Dennoch hat es mich irgendwie angesprochen. Vielleicht war es das Wort "bitterböse" im Klappentext. 

Das Buch lässt sich sehr leicht lesen, da der Schreibstil der Autorin sehr angenehm ist. Manchmal flogen die Seiten nur so dahin und ehe ich mich versah, war schon wieder ein Kapitel gelesen. Leider gibt es im letzten Drittel doch einen kleinen Hänger und das ganze hat sich etwas gezogen. Hier wären ein paar Seiten weniger vielleicht etwas mehr gewesen. 

Es kommen sehr viele Personen darin vor, am Anfang wirkte dies etwas verwirrend. Im Laufe der Geschichte erhält man jedoch mehr Informationen zu den einzelnen Figuren und kann sie dann auch recht gut auseinander halten. Gekonnt porträtiert die Autorin die verschiedenen Persönlichkeiten sowie ihre unterschiedlichen Charakterzüge. Die Figuren sind wirklich sehr gut ausgearbeitet. Man kann sich als Leser ein sehr genaues Bild davon machen, welche Rolle welche Person in der Geschichte spielt und warum sie sich verhält wie sie sich verhält. Ebenfalls macht die Autorin sehr deutlich, dass jedes Verhalten bei anderen Menschen zu einer Reaktion führt, wie ineinander greifende Zahnräder. Überhaupt wirkt die ganze Geschichte auf mich wie ein einziges, großes ineinandergreifendes  Zahnrad und die Autorin erklärt scharfsinnig warum das so ist. 

Ich dachte, dass es sich bei "Mutter des Monats" um lockere und eher oberflächliche Kost handelt. Damit habe ich mich jedoch getäuscht, denn die Geschichte ist tiefgründiger als ich erwartet habe. Neben allen Aktivitäten rund um die Schule hat jede der Figuren ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen, die eine ein schwereres, die andere ein leichteres, alle sind jedoch "ernst genug" um zu verdeutlichen, dass auch das Leben dieser Mütter nicht nur aus Kuchen backen und Spenden sammeln besteht. Und wenn doch, so wird deutlich, dass es auch dafür Gründe gibt. 

Fazit: 

"Mutter des Monats" von Gill Hornby hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Besonders die Fähigkeit der Autorin, die einzelnen Figuren psychologisch so feinsinnig zu porträtieren, hat mich beim Lesen immer wieder beeindruckt. 


Mutter des Monats | Gill Hornby | KiWi | 2013 | Taschenbuch | 400 Seiten | ISBN: 978-3-462-04503-1 | 
Preis: 9,99€ | Leseprobe 

29.09.14

"Wer weiß, was morgen mit uns ist" von Ann Brashares


Prenna ist 17 und lebt seit einigen Jahren mit ihrer Mutter in New York. Die beiden gehören einer Gruppe von Menschen an, welche nach einem Virus mit verheerenden Folgen aus der Zukunft in die Vergangenheit geflohen sind. Doch dies darf niemand wissen und die Gemeinschaft hütet ihr Geheimnis gut. Dies ist jedoch mit strengen Regeln verbunden, welche Prenna wenn auch manchmal widerwillig befolgt. Doch dann lernt sie Ethan kennen und beginnt, die Dinge zu hinterfragen...

Der Klappentext von „Wer weiß, was morgen mit uns ist“ hat mich auf Anhieb angesprochen, denn ich mag sowohl Zeitreisen als auch Dystopien. Und auch wenn das Buch hauptsächlich in unserer aktuellen Zeit und Welt spielt, so sind die kurzen Beschreibungen der Zukunft, welcher Prenna entflohen ist, recht dystopisch.

Dies ist mein erstes Buch von Ann Brashares, welche bereits viele weitere Jugendbücher veröffentlich hat. Die Schreibe der Autorin lässt sich sehr gut lesen. Ebenfalls konnte ich das Buch wirklich schnell lesen, was jedoch nicht immer an der Geschichte lag, denn der Spannungsbogen sinkt immer wieder erheblich ab.

Sowohl Prenna als auch Ethan sind für mich sehr blass geblieben und ich konnte keinen wirklichen Bezug zu ihnen aufbauen. Auch die Beziehung der beiden zueinander bliebt eher blass, für mich war da kein Kribbeln und Herzklopfen zu spüren.

Man erfährt nur wenig über die Geschehnisse. Beim lesen war es immer wieder so, als würde mir die Autorin eine lange Nase zeigen, weil sie mich so im Dunkeln tappen lässt. Bei mir hat dies nicht für Spannung gesorgt, sondern es hat mich genervt. Erst gegen Ende kommt etwas Licht ins Dunkel und einige Puzzle-Stückchen setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen. Dennoch bleibt vieles offen, was mich gestört hat. Dadurch wirkt die Geschichte sehr unausgereift, so als hätte die Autorin keine Lust gehabt, sich mit Details zu beschäftigen und wäre deswegen einfach nicht in die Tiefe gegangen.

Ich hatte beim Lesen auch immer wieder den Eindruck, als wäre die Geschichte unlogisch. Dies war jedoch häufig nicht greifbar. Um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten, kann ich auf diesen Punkt nicht näher eingehen.

Das Ende war mir auch zu offen. Zu viele Dinge sind ungeklärt geblieben. Zudem gibt es einen Cliffhanger, welcher eigentlich optimal für einen zweiten Band wäre. Soweit ich weiß, soll es sich bei „Wer weiß, was morgen mit uns ist“ aber um einen Einzelband handeln.

Gut gefallen hat mir hingegen, dass das Buch deutlich unsere Lebensweise und unseren Umgang mit der Umwelt kritisiert. Die Autorin verdeutlicht, dass wir eigentlich genau wissen, was uns bevorsteht (Klimawandel, Änderung der Vegetation, die Folgen der Umweltverschmutzung), dies aber aus Bequemlichkeit nicht ändern.

Schade finde ich, dass das deutsche Cover nichts mit dem Originalcover gemeinsam hat. Durch das deutsche Cover wirkt das Buch äußerlich recht langweilig und nichtsagend.

Fazit:

Das Buch ließ sich schnell lesen und hat trotz aller Kritikpunkte durchaus einen Unterhaltungsfaktor. Eine gut ausgearbeitete Geschichte sollte man jedoch nicht erwarten, denn dies kann die Autorin leider nicht bieten.

Eigentlich vergebe ich stets glatte Zahlen als Wertung, kann mich hier aber einfach nicht entscheiden. Deswegen gibt es 2,5 Herzchen.

 Wer weiß, was morgen mit uns ist | Ann Brashares | cbj | 2014 | 320 Seiten | ISBN: 978-3570159477 | Preis: 16,99€