"Der Kaiser von China" von Tilman Rammstedt

• Taschenbuch: 208 Seiten
• Verlag: rororo (2. August 2010)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3499253534
Preis: 8,95 Euro



Der Inhalt des Buches ist schnell erklärt. Keith wächst mit seinen Geschwistern bei seinem Großvater auf. Der Großvater ist recht eigensinnig und eine durchaus interessante Persönlichkeit. Der Großvater scheint ein Frauenheld zu sein und hat regelmäßig wechselnde, jüngere Freundinnen. Eine davon ist Franziska, mit der Keith eine Affäre anfängt und sie sogar heiraten „möchte“. Zu seinem Geburtstag bekommt der Großvater nun einen Gutschein für eine Reise von seinen Enkeln geschenkt. Er würde gerne nach China, und während die Geschwister sich drücken, bleibt die Rolle des Reisebegleiters an Keith haften. Der jedoch verspielt zusammen mit Franziska das Reisegeld. Der Großvater bricht dennoch alleine auf. Weit kommt er jedoch nicht, da er verstirbt. Damit Keith sich vor seinen Geschwistern nicht outen muss, das Reisegeld verspielt zu haben, versteckt er sich in seiner Wohnung unter seinem Schreibtisch und beginnt fiktive Briefe mit Reiseberichten aus China an die daheimgebliebenen Geschwister zu schreiben.

Mein Interesse an dem Buch galt hauptsächlich den fiktiven Reiseberichten. Ich lese gerne Reiseberichte, da kann ein fiktiver, lustiger Bericht ja nicht schaden. Das hörte sich für mich lustig an und mir hat die Idee gefallen. Dies war ausschlaggebend dafür, dass Buch überhaupt lesen zu wollen.
Das Buch ist jedoch völlig anders, als ich es erwartet habe. Der Schreibstil weist Kurzgeschichtencharakter auf, und so beginnt das Buch auch ganz plötzlich und ohne Einleitung und sonstiges Vorgeplänkel mitten in einer Situation. Es werden verschiedene Situationen beschrieben, die einen Einblick von Keith und dem Großvater geben. Vom Großvater konnte ich mir auch sehr schnell ein Bild machen und fand den schrulligen alten Kauz direkt sympathisch. Die Figur des Keith blieb für mich jedoch völlig blaß und nichtssagend und war mir dadurch auch nicht sonderlich sympathisch. Franziska war mir absolut unsympathisch und ist mir von der ersten Zeile an auf die Nerven gegangen. Über die anderen Geschwister erfährt man so gut wie gar nichts, man weiß im Grunde nur, dass sie existieren.

Im Laufe der Geschichte erfährt man, wie es dazu kam, dass Keith das Reisegeld verspielt hat. Auch diese Beschreibung hat mich genervt und hat mir Keith und Franziska noch unsympathischer gemacht. Wie man so wenig Rückgrat haben kann, ist mir wirklich schleierhaft…

Schlechtgelaunt habe ich mich bis zu den Reiseberichten vorgearbeitet und habe mich gefreut, als diese endlich losgingen. Die Berichte waren dann auch lustig zu lesen und ich musste das ein oder andere Mal wirklich lachen. Leider werden die Reiseberichte jedoch immer wieder unterbrochen, weil der Langweiler Keith aus seinem Leben und seiner Beziehung zur doofen Franziska berichtet.
Hier habe ich nun angefangen zu überspringen, und habe immer zu den Reiseberichten vorgeblättert. Doch irgendwann sind auch die mir auf die Nerven gegangen und die letzten 40 Seiten des Buches habe ich mir dann ganz geschenkt.

Der Schreibstil des Autoren war völlig in Ordnung. Die Sätze waren gut lesbar, da er einfache Worte erinnert. Dadurch entsteht ein guter Lesefluss, welcher bei besserer Story sicherlich noch besser gewesen wäre.

Das Buch ist preisgekrönt und hat allgemein viele gute Rezis und Bewertungen erhalten. Das kann ich so gar nicht nachvollziehen, denn ich fand das Buch total nichtssagend und für mich hat es in etwa genauso viel Sinn ergeben wie ein klebriger, labriger Fiebertraum. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich den Sinn des Buches nicht verstanden habe. Damit kann ich jedoch gut leben, und wer den Sinn findet darf ihn gerne behalten und muss ihn mir nicht nachreichen. Sicherlich bin ich auch mit den falschen Erwartungen an das Buch gegangen, da ich etwas lustiges, skuriles und abgefahrenes erwartet habe. Bei dem was ich dafür geboten bekommen habe, bleibt die Enttäuschung daher nicht aus. Ich überlasse den Kaiser jedenfalls nun wieder sich selbst und widme mich besseren Büchern.

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