"Das Blut der Lilie" von Jennifer Donnelly


Jennifer Donnelly – Das Blut der Lilie
Preis: 19,95 Euro
Hardcover, 484 Seiten
Pendo, Februar 2011
ISBN: 3866122888



Andi ist ein siebzehnjähriges Mädchen aus Brooklyn. Vor zwei Jahren kam ihr kleiner Bruder ums Leben. Daran gibt Andi sich die Schuld und ist voller Schuldgefühle. Ihr einziger Halt in der Depression ist ihre Liebe zur Musik. Kurz bevor Andi den Boden unter den Füßen völlig verliert, zwingt ihr Vater sie mit ihm nach Paris zu reisen und an ihrer Abschlussarbeit zu schreiben. Von einem Freund ihres Vaters erhält sie eine alte Gitarre und findet durch Zufall in dem Gitarrenkoffer ein zweihundert Jahre altes Tagebuch. Das Tagebuch wurde von einer jungen Frau, in großer Eile in den Wirren der französischen Revolution geschrieben und erzählt die Geschichte des Mordes eines kleinen Jungen… Andi kann sich dem Tagebuch nicht entziehen und wird in eine turbulente Geschichte hineingezogen.


Ich habe bereits Bücher von Jennifer Donnelly gelesen, welche mir gut gefallen haben. Deswegen habe ich mich auch sehr über die Leseprobe zu ihrem neuen Werk bei vorablesen.de gefreut. Die Leseprobe konnte mich überzeugen und hat mich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Also habe ich einen Leseeindruck abgegeben und das Buch zu meiner Freude auch gewonnen.

Der Schreibstil von Jennifer Donnelly ist wie gewohnt sehr gut und flüssig zu lesen. Ihr gelingt es, auf Anhieb eine Atmosphäre aufzubauen, die einen völlig in die Geschichte eintauchen lässt. Bereits nach wenigen Seiten habe ich mich völlig in die Geschichte eingefunden. Dies war dann auch während des ganzen Lesens so, dass ich bereits nach wenigen Sätzen das Gefühl hatte, völlig in der Geschichte gefangen zu sein.

Jennifer Donnelly gelingt es sehr schnell, einen Spannungsbogen aufzubauen. Und obwohl einige der Geschehnisse sehr vorhersehbar sind, gelingt es ihr dennoch den Spannungsbogen zu halten. Dies zeugt für mich von ihrem schriftstellerischen Talent.

Die Darstellung der Charaktere ist der Autorin sehr gut gelungen. Sie sind sehr bildhaft gezeichnet und sind mir auf diese Weise beim Lesen sehr nahe gekommen. Bei Büchern, die solche emotionale Themen wie den Tod eines geliebten Menschen behandeln, finde ich es immer schön, wenn mir die Protagonisten nahe kommen. Besonders die Gefühle von Andi sind sehr gut beschrieben. Sie verdeutlichen wie es ihr geht, warum sie so depressiv ist und warum sie ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt. Die Depression ist sehr greifbar beschrieben. Nach etwa ¾ des Buches war mir das zu viel. Andi war mir zu depressiv und ich habe überlegt, das Buch deswegen abzubrechen. Ich wollte etwas zum ablenken lesen, und keinen traurigen Depressionsbericht. Da ich das Buch zur Rezension erhalten habe, habe ich weitergelesen. Wäre dies nicht der Fall, hätte ich es sicherlich abgebrochen.
Da es der Autorin so gut gelungen ist, die Charaktere zu zeichnen, gelingt es ihr auch die komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen zu skizzieren. Zu Teilen ist dieses Buch ein wirklich gutes Beziehungsdiagramm, welches zeigt, wie schwierig zwischenmenschliche Beziehungen sind bzw. sein können. Jennifer Donnelly hat hier eine Feinfühligkeit an den Tag gelegt, die ich als sehr angemessen empfunden habe. Denn dadurch wirkt das Geschehen einfach realistischer, da es nicht dramatisiert wird.

Der Hauptteil des Buches wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Einmal werden die Erlebnisse von Andi erzählt und zum anderen die von Alexandrine, dem Mädchen welches das Tagebuch schrieb. Den Erzählstrang von Alexandrine fand ich etwas spannender als den von Andi. Zwischenzeitlich habe ich überlegt, vor zu blättern. Ich habe es dann nur nicht getan, weil ich Angst hatte, etwas Wichtiges zu verpassen. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, der Anti-Teil zieht sich etwas und ist etwas langatmiger. Teilweise war dies so, weil immer wieder ihre Depression beschrieben wurde, teilweise war es aber auch nur mein Empfinden, weil ich schnell wieder zu Alexandrine wollte.

Das Ende des Buches hat mich enttäuscht. Ich bin mir unsicher, ob die Autorin in die Fantasy-Ecke abdriften wollte, auf den aktuellen Zeitreisezug aufspringen wollte oder ob es sich einfach nur um einen Traum handelt. Ich hoffe, es ist der Traum, denn mit jeder anderer Lösung wird das Buch für mich unglaubhaft. Zudem trafen am Ende zu viele Zufälle aufeinander, die die Geschichte unrealistisch gemacht haben. Dieses Ende ist wirklich schade, ich finde das Buch hätte ein besseres Ende verdient.

Außer vor Jahren mal im Schulunterricht habe ich mich noch nicht mit der französischen Revolution beschäftigt. Deswegen war ich gespannt darauf, wie diese geschichtlichen Aspekte im Buch bearbeitet werden. Für mich war das alles spannend beschrieben und hat mein Wissen wieder etwas aufgefrischt. Dies hat mir gut an dem Buch gefallen.

=== mein Fazit ===

Mit „Das Blut der Lilie“ ist Jennifer Donnelly ein sehr gefühlvolles Buch gelungen, welches zeigt in welche Abgründe die menschliche Seele stürzen kann. Zeitweilig war es mir zu dunkel und zu depressiv, etwas weniger wäre hier mehr gewesen. Das Thema war sehr spannend und ich finde es schade, dass die Französische Revolution so sehr von Andis Depression überlagert wurde. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht, da es absolut unrealistisch war. Von diesen Kritikpunkten einmal abgesehen hat mir „Das Blut der Lilie“ sehr gut gefallen und Jennifer Donnelly konnte mich erneut von sich überzeugen.

Von mir gibt es drei von fünf Sternchen für dieses Buch.

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