"Mein fahler Freund" von Isaac Marion

Mein fahler Freund von Isaac Marion
Klett-Cotta, 2011
Hardcover, 298 Seiten
ISBN: 3608939148
Preis: 19,95€

R ist ein Zombie. Über seine Vergangenheit weiß er kaum noch etwas und auch an seinen Namen kann er sich nicht wirklich erinnern, vermutet jedoch dass es etwas mit R war. Julie hingegen ist ein Mensch und lebt mit weiteren, noch lebenden Menschen in einer Siedlung im Stadion. Während Julie mit ihrem Freund und einem Bergungsteam in der Stadt ist um Lebensmittel zu bergen, werden sie von hungrigen Zombies überfallen. R frisst Julies Freund auf und kann so einige seiner Erinnerungen sehen, was ihn dazu animiert Julie zu schützen. Er nimmt sie mit zum Flughafen, wo er mit anderen Zombies lebt und eine verbotene Liebe nimmt ihren Lauf, bei der R seine Menschlichkeit entdeckt.
Isaac Marion beschreibt zu Beginn der Geschichte R und sein doch recht monotones Leben. Man erhält einen guten Einblick und kann sich schnell ein eigenes Bild machen. Bereits auf den ersten Seiten dachte ich "Hey, der Typ hat Humor" und musste während des Lesens häufiger lachen, auch wenn der Humor stellenweise gewöhnungsbedürftig war. Desweiteren ist mir gleich der besondere Sprachstil des Autors aufgefallen. Er hat einen leicht poetischen Touch, ist an einigen Stellen eher anspruchsvoll und spielt gut mit der Sprache und verschiedenen Wörtern. Zudem ist sein Sprachstil recht bildhaft, was mir normalerweise sehr gut gefällt. Im Buch kommt es zu einigen ekelhaften Szenen, die ich mir so sehr genau vorstellen konnte. Hier hätte ich mir fast schon etwas weniger Bildgewalt gewünscht.

Während auf den ersten 100 Seiten R´s Leben doch sehr genau beschrieben wird, wird an keiner Stelle erwähnt was eigentlich genau passiert ist. Warum wurde die Welt wie sie ist? Wie entstanden die Zombies? Wieso starben so viele Menschen? Der Autor bringt die Endzeit-Stimmung zwar sehr gut rüber, für mich wäre sie jedoch mit etwas Hintergrundwissen noch authentischer gewesen.
"Mein fahler Freund" ist eine moderne Version von Shakespeares "Julia und Romeo". Die Begebenheiten und Umstände sind natürlich etwas anders als im Original, das Grundgerüst der Geschichte ist jedoch das Gleiche. Dadurch ist die ganze Geschichte recht vorhersehbar. Man ahnt was passieren wird und diese Ahnung wird dann auch stets ein paar Seiten später bestätigt. Dennoch wird, nicht zuletzt auch durch die von Marion vermittelte Botschaft, deutlich dass Marion seine Geschichte durchdacht hat und nicht einfach nur einen Abklatsch geschrieben hat. Beispiele möchte ich hierfür jedoch nicht nennen, da es zu viel von der Geschichte verraten würde.

Durch diese Vorhersehbarkeit ist das Buch für mich sehr langatmig geworden und ich habe mich bei etlichen Passagen einfach nur gelangweilt. Die Versuchung vor zu blättern war groß, ich habe es jedoch nicht gemacht. Dennoch hat mein Lesespaß darunter gelitten und ich habe für das Buch auch wesentlich länger gebraucht, als ich normalerweise für knapp 300 Seiten brauche. Ein weiterer Kritikpunkt sind die aus meiner Sicht sehr holprigen Übergänge der einzelnen Szenen, Situationen und Gedankengänge. Vor allem die unterschiedlichen Gedankengänge fand ich manchmal verwirrend und wusste gar nicht so genau wer da jetzt was denkt.

Mein Fazit: 

Isaac Marions Idee eine moderne, vielleicht auch etwas futuristische, Version von Julia und Romeo zu schreiben finde ich sehr gut. Mit R und Julie hat er zwei sehr sympathische Protagonisten geschaffen, die beide in ihrem Verhalten überzeugen. Marions Humor gefällt mir gut und auch sein Schreibstil ist schön zu lesen. Leider ist das Buch jedoch vorhersehbar, was mich gelangweilt hat. Schade finde ich auch die fehlenden Hintergrundinformationen sowie die verwirrenden Übergänge der einzelnen Gedankengänge. Insgesamt erhält "mein fahler Freund" gute 2 von 5 Sternchen von mir.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an BdB und Klett-Cora.

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