"Sonderappell 1945 - ein Mädchen berichtet" von Sybil Gräfin Schönfeldt

Sybil Gräfin Schönfeldt: Sonderappell – 1945 - Ein Mädchen berichtet
Ueberreuter
1979
Hardcover
192 Seiten
Diese Ausgabe ist nur noch gebraucht erhältlich. Unter der ISBN 3423252006 gibt es eine neue Taschenbuchauflage für 10,00 €.

Inhalt:
Charlotte, 17, Abiturientin, wird zum Arbeitsdienst nach Oberschlesien eingezogen. Schulung, Appelle, militärische Disziplin, Kameradschaft, Treue und Gehorsam sind dem Mädchen aus einer Offiziersfamilie vertraut. Doch während sie Ställe ausmistet, Kartoffeln schält und schließlich Panzersperren baut, kommen ihr erste Zweifel am nationalsozialistischen System…
Meinung:

Bereits vor einiger Zeit hat mir mein Freund dieses Buch in die Hand gedrückt und gesagt „Les es, das ist gut“. Abgeschreckt vom zerfledderten Einband habe ich es nach ganz hinten ins Regal gestellt und vergessen. Vor ein paar Tagen stand ich vor meinem Bücherregal und habe überlegt, was ich als nächstes lesen soll. Mein Freund kramte daraufhin „Sonderappell“ aus den Tiefen des Schrankes hervor und hat es mir wieder in die Hand gedrückt. Daraufhin habe ich beschlossen es zu lesen.
Bevor ich auch nur den ersten Satz gelesen habe, hatte ich Zweifel daran, ob mir der Schreibstil gefällt. Meine Befürchtung war, dass er altbacken und langatmig ist. Dem ist jedoch absolut nicht so.

Die Autorin schreibt sehr fesselnd und mitreißend. Sie baut von Anfang an Spannung und Neugierde auf, so dass ich einfach wissen wollte, wie es Charlotte ergeht. Die Autorin verwendet einige Abkürzungen, welche mir nicht alle geläufig waren. Diese werden jedoch alle im Buch erklärt, so dass sie nicht störend waren.

Sybil Gräfin Schönfeldt erzählt in „Sonderappell“ einen interessanten Teil der deutschen Geschichte. Ich fand es sehr spannend, durch Charlotte einen Einblick in das Leben der Arbeitsmaiden zu erhalten.  Die Autorin ist dabei sehr offen und ehrlich und geht fast schon schonungslos mit Charlotte um. Auf mich wirkte die Erzählung sehr authentisch.

Spannend war es zu erleben, wie Charlotte sich verändert. Zu sehen, wie sie Zweifel bekommt. Und mitzuerleben, wie sie beginnt die Denkweisen der Nazis zu hinterfragen. Es wird deutlich, dass Charlotte viele Thesen, wie zum Beispiel die, dass Juden Untermenschen seien, einfach so angenommen hat und nun in Frage stellt. Die Art, wie die Autorin damit umgeht, hat mir sehr gut gefallen. Näher kann ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, da ich sonst zu viel vom Inhalt verraten würde.

„Sonderappell“ hat mich beim Lesen sehr berührt und die Geschichte hat mir noch lange nachgehangen.  Wenn ich nicht gelesen habe, musste ich trotzdem an Charlotte denken und ich habe auch von ihr geträumt. Auch über die anderen Protagonisten habe ich viel nachgedacht. Ein bisschen schade finde ich, dass man am Ende nicht mehr erfährt, was aus ihnen geworden ist.

Fazit:

Ich bin wirklich froh, dass ich „Sonderappell“ von Sybil Gräfin Schönfeldt gelesen habe. Das Buch hat mir einen Teil der deutschen Geschichte näher gebracht, den ich bislang nur aus Erzählungen meiner Großmutter kannte. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, was nicht nur an der interessanten Geschichte, sondern auch am gut zu lesenden Schreibstil der Autorin lag. Wer sich für die Geschichte des Nationalsozialismus interessiert, dem spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus!

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