"Freak City" Lesung mit Kathrin Schrocke und Michael Kessler


Gestern war endlich der große Tag, an welchem die von mir langersehnte Lesung im Literaturhaus Köln mit Kathrin Schrocke und Michael Kessler im Rahmen der Lit.Cologne statt gefunden hat. Da die öffentlichen Verkehrsmittel gestern in Köln auf Grund eines Generalstreikes ganztägig nicht gefahren sind, stand der Besuch der Lesung für mich zwar erst auf der Kippe, zum Glück hat es dann aber doch geklappt. Mein Freund konnte mich hinfahren und nach Hause bin ich dann einfach gelaufen – waren ja nur 7 KM.

Das Literaturhaus habe ich gut gefunden, und als ich ankam, gab es auch noch ausreichend freie Plätze, so dass ich die freie Platzwahl hatte. Während ich darauf gewartet habe, dass es losgeht, habe ich noch ein bisschen gelesen.

Die Lesung begann dann auch pünktlich und Kathrin Schrocke, Michael Kessler, Ines Dettmann, welche durch den Abend moderiert hat, sowie ein Gebärden-Dolmetscher haben die Bühne betreten.

Zur Einführung hat Kathrin Schrocke erzählt, dass die Schriftstellerei schon immer ihr großer Traum gewesen ist. Während zu Kinderzeiten diesen Wunsch alle in ihrem Umfeld noch niedlich fanden, weckte ihr Berufswunsch in späteren Jahren vor allem bei ihren Eltern doch Zweifel – denn die kannten eigentlich nur tote Schriftsteller. Mit 16 hat sie dann ihren ersten Roman geschrieben und an ihre Klassenkameraden verteilt. Das Feedback war überaus positiv und durch Kontakte gelangte das Manuskript dann zu einer Literaturagentin. Diese fand Kathrin Schrockes Schreibstil schlecht, und teilte ihr mit, dass sie kein Talent habe und niemals eine gute Schriftstellerin werden würde. Daraufhin hat Frau Schrocke aufgehört zu schreiben, ihr Abitur gemacht und anschließend Literatur studiert. Nach ihrem Studium hat sie für einen Verlag gearbeitet und Autoren auf ihren Lesereisen begleitet. Im Laufe der Zeit wurde dies jedoch immer quälender für sie, weil sie ständig das Gefühl hatte, ihr eigenes Traumziel verpasst zu haben. Während eines zweiwöchigen Urlaubs schrieb sie daraufhin ihr erstes Kinderbuch, welches dann auch gleich 5 Verlage drucken wollten. Voller Überzeugung, es nun zu schaffen, hat sie daraufhin ihren Job gekündigt, eine Ich-AG gegründet und sich komplett der Schreiberei gewidmet. Seitdem hat sie über 30 Bücher geschrieben und kann inzwischen von der Schriftstellerei leben. Kathrin Schrocke hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, an die eigenen Träume zu glauben, und sich nicht von anderen die eigenen Ziele schlechtreden zu lassen. Dennoch hat sie den romantischen Touch, welcher der Schriftstellerei ja häufig anhaftet, etwas entzaubert. Kathrin Schrocke veröffentlicht die meisten ihrer Bücher nämlich unter einem Pseudonym, Amina Paul. Diese Bücher schreibt sie auf Anfrage der Verlage. Eigene Bücher, welche sie aus eigenem Interesse schreibt und welche ihr richtig am Herzen liegen, veröffentlich sie jedoch unter ihrem richtigen Namen, Kathrin Schrocke. Sie hat sich für diese Mischform entschieden, um ihre „Herzensbücher“ finanzieren zu können. Mit dieser Erzählung hat sie auch an alle Leser appelliert, Autoren zu unterstützen und ihre Herzensbücher zu kaufen. Zudem hat sie davon berichtet, wie hart der Job eines Autors ist, wie viel Druck auf einem lastet und dass viele Autoren finanziell am Existenzminimum leben. Ich fand diese Erzählung aus dem Leben der Autorin nicht nur sehr informativ, sondern richtig toll. Frau Schrocke ist es gelungen, die Balance zwischen der Motivation an die eigenen Träume und dem Realismus für die harten Tatsachen perfekt zu vermitteln.  Auch Michael Kessler hat daraufhin erzählt, dass ihm während seiner Anfangszeit häufiger gesagt worden ist, dass er talentfrei sei. Inzwischen hat er jedoch häufig genug bewiesen, dass er alles andere als talentfrei ist. 

Nach diesem Gespräch hat Michael Kessler das erste Kapitel aus "Freak City" vorgelesen. Für Kathrin Schrocke war es das erste Mal, dass ihr jemand aus ihrem eigenen Buch vorgelesen hat und es war interessant, ihre Mimik und Gesichtsausdrücke während der Lesung zu beobachten. Michael Kesslers Art vorzulesen hat mir gut gefallen. Er hatte eine tolle Art zu betonen und es hat wirklich Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Durch seine lebhafte Art, die Geschichte vorzutragen, war sie unheimlich kurzweilig und witzig. Interessant fand ich, dass das Bild, welches Michael Kessler von Mika, dem Protagonisten aus Freak City, vermittelt hat ein anderes war, als das, welches ich in meinem Kopf hatte. Dadurch habe ich die Geschichte noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten dürfen, was spannend war.

Nach diesem Kapitel haben Ines Dettmann und Kathrin Schrocke erzählt, was weiterhin passiert. Das Gespräch kam dann darauf, wie Frau Schrocke überhaupt darauf gekommen ist, ein Buch über ein gehörloses Mädchen zu schreiben. Da ich es immer spannend finde, die Hintergründe von Romanen zu erfahren, habe ich mich gefreut, dass das Gespräch auf dieses Thema kam.  Während eines politischen Vortrags in Berlin kam Kathrin Schrocke erstmalig mit dieser Thematik in Verbindung. Der Vortrag wurde nämlich simultan von einem Dolmetscher in Gebärdensprache übersetzt. Fasziniert von der Ausdrucksstärke und Poesie der Gebärdensprache hat Kathrin Schrocke sich näher damit beschäftigt. Als sie beschlossen hat, die Sprache zu lernen, lag für sie als Schriftstellerin natürlich nichts näher, als auch ein Buch darüber zu schreiben. Für „Freak City“ hat sie zwei Jahre lang recherchiert und hat sich sehr intensiv mit dem Alltag von Gehörlosen Menschen beschäftigt. Ihr Buch hat sie Seite für Seite mit einer gehörlosen Freundin durchgesprochen, da es ihr wichtig war zum einen authentisch zu sein, zum anderen wollte sie Gehörlose mit ihrem Werk nicht verärgern.  Während des Gesprächs wurde richtig deutlich, dass Kathrin Schrocke sich wirklich sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt hat. Ich weiß nur wenig über die Gebärdensprache und habe gestern einiges dazugelernt.

Auch nach diesem Gespräch hat Michael Kessler noch einen Abschnitt aus „Freak City“ gelesen. Das hat er so gut gemacht, dass ich ihm noch stundenlang hätte zuhören können.


Im Anschluss an die Lesung durfte das Publikum Fragen stellen. Mich hat interessiert, wann das nächste Werk von Kathrin Schrocke erscheint. Zur Zeit arbeitet sie daran und es wird im Herbst 2013 erscheinen. Also Bloggerin und Verfasserin von Rezensionen hat mich auch interessiert, wie sie mit Rezensionen umgeht, ob sie diese liest und ob für sie die positiven oder die negativen Kritiken schwerer wiegen. Die Autorin erzählte daraufhin, dass der Verlag ihr alle paar Monate die Kritiken zuschickt, und dass sie sich über die positiven Rezensionen natürlich freut, auch wenn die negativen länger im Kopf bleiben. 

Die komplette Veranstaltung wurde synchron von zwei Dolmetschern für Gebärdensprache, welche sich abgewechselt haben, übersetzt. Zur Thematik von Freak City hat dies natürlich wunderbar gepasst. Bislang kannte ich solche Synchronübersetzung nur von politischen Veranstaltungen sowie vom CSD und fand es immer schon schade, dass es nicht bei mehr Veranstaltungen Dolmetscher gibt. Ich fand es absolut faszinierend, die Dolmetscher zu beobachten und somit einen kleinen Einblick in die Gebärdensprache zu erhalten.

Nachdem auch die Fragerunde beendet war, konnte man sich Autogramme von Michael Kessler und Kathrin Schrocke holen.  Mit „Finding Alex“ und „Dorfprinzessinnen“ in der Hand habe ich mich dann in die Schlange eingereiht und habe mir beide Bücher von Frau Schrocke signieren lassen. Während sie „Dorfprinzessinnen“ signiert hat kamen wir kurz ins Gespräch, und somit ergab sich dann auch die zweite Signatur in „Finding Alex“, über welche ich mich sehr freue!


Auf meinem Kalender klebt übrigens ein Aufkleber mit der Aufschrift „Sei einzig, nicht artig!“


Insgesamt war es gestern ein wunderschöner Abend, ich bin sehr begeistert von Kathrin Schrocke, die einfach nur wahnsinnig sympathisch ist, sowie von Michael Kessler der wirklich großartig gelesen hat!

Kathrin Schrockes Bücher: 





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