"Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini



~~ Fakten zum Buch ~~

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag; Auflage: 1., Aufl. (25. April 2009)
ISBN-10: 3833305894
Preis: 10,90 Euro

*weitere Buchinformationen*

~~ meine Meinung ~~

Der Klappentext hat mich nicht wirklich zum lesen des Buches animiert. Da haben auch die auf dem Buchrücken aufgedruckten –durchweg positiven – Kritiken bzw. Kommentare nichts genutzt. Nachdem meine Schwester mir das Buch gegeben hat, verschwand es erst einmal für lange, lange Zeit im Schrank. Das Buch hat mich nicht gereizt, zumal ich schon viele Bücher aus dieser Richtung gelesen habe. Ich dachte es ist einfach nur eine Wiederholung von bereits oftmals gelesenen Geschichten im Stile Barbara Woods und Konsorten. Ich gebe jedoch zu, dass ich mich damit getäuscht habe. Dieses Buch von Khaled Hosseini ist ganz anders und viel feingliedriger und sanfter und insgesamt einfach anders.

Der Autor erzählt die Geschichte zweier Frauen, welche unterschiedlicher nicht sein können. Da ist zum einen Mariam, welche als harami (uneheliches Kind) zur Welt gekommen ist. Bis zum Selbstmord ihrer Mutter lebt sie mit dieser in einer abgelegenen kleinen Hütte. Nach dem Tod der Mutter wohnt sie eine Weile bei ihrem Vater, bis dieser sie schließlich mit dem wesentlich älteren Schumacher Raschid aus Kabul verheiratet. Laila hingegen wächst in Kabul auf. Die Liebe zu ihrem Sandkastenfreund Tarik wird ihr gewissermaßen zum Verhängnis. Nachdem ihre Eltern bei einem Bombenangriff ums Leben kommen, gibt es für Laila keine andere Möglichkeit, als die zweite Frau Raschids zu werden. Mariam fühlt sich in ihrem Revier bedrängt und lehnt Laila ab. Im Laufe der Zeit finden die beiden Frauen jedoch zueinander und werden durch eine innige und tiefe Freundschaft miteinander verbunden.

Zu Beginn des Buches lernt der Leser Mariam und ihre Geschichte kennen. Geschickt lässt der Autor später auch die Geschichte von Laila mit einfließen und beginnt so bereits früh damit, die Geschichte der beiden Frauen miteinander zu verknüpfen. Dem Leser werden die Charaktere gleich zu Beginn gut nahe gebracht. Da man zu Beginn des Buches mit der Geschichte und Vergangenheit der beiden vertraut gemacht wird, findet so einerseits die Hauptgeschichte einen guten Einstieg, andererseits hatte ich beim lesen so auch das Gefühl die beiden Frauen gut kennen zu lernen. Die Charaktere sind gut ausgebildet und vor allem richtig menschlich. Es werden ihre positiven aber auch die negativen Seiten gezeigt. Dies hat die Figuren für mich sehr sympathisch gemacht.

Durch das Buch schafft Khaled Hosseini es, den Alltag in Afghanistan näher zu bringen. Er zeigt wie die Menschen leben, welche Dinge sie beschäftigen, was ihren Alltag ausmacht. Im Laufe des Romans erfährt man auch die Geschichte Afghanistans. Aus dem Politikunterricht war mir zwar vieles schon bekannt, aber ich fand es gut dies noch einmal aufzufrischen. Afghanistan ist ja nach wie vor Thema in unseren Nachrichten und durch dieses Buch sind mir die Zusammenhänge wieder etwas bewusster geworden.

Die Geschichte Afghanistans nimmt natürlich auch großen Einfluss auf die Handlung des Buches. Die Protagonisten werden von der Geschichte und der dadurch entstehenden jeweils unterschiedlichen politischen Situation sehr in ihrem Leben beeinflusst. So ist Laila die Tochter eines Lehrers, der sehr auf die Bildung seiner Tochter bedacht war. Lailas eigene Tochter, Aziza, hat Jahre später unter dem Regime der Taliban jedoch keine Möglichkeit mehr eine Schule zu besuchen und wird heimlich unterrichtet. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen, Mariam und auch Laila wurden beide zu selbstständigen, gewissermaßen auch selbstbewussten Frauen erzogen. Ihr Mann Raschid jedoch verlangt dass sie sich voll verschleiern und die Burka tragen und sich den Regeln der Scharia anpassen. Auf Grund der politischen Situation des Landes haben die beiden Frauen keine Möglichkeit sich dem zu wiedersetzen.

Der Autor beschreibt die Geschichte mit leisen, stillen und einfachen Worten. Diese filigranen Worte und Sätze haben auf mich jedoch sehr viel ausgeübt und ich habe sie als sehr stark und eindringlich empfunden. Die Schreibweise ist einfach und das Buch lässt sich sehr gut lesen. Die Formulierungen sind klar und eindeutig, so gab es keine Sätze die ich mehrfach lesen musste um den Sinn zu verstehen. Der Autor versteht es wirklich, den Leser in seinen Bann zu ziehen.
Ich habe das Buch in kürzester Zeit gelesen und habe auch nach dem lesen noch oft über das Buch nachgedacht. Auch während der Lesepausen habe ich viel an das Buch und an Mariam und Laila gedacht. In dieser Form passiert mir das eher selten, dass mich ein Buch so intensiv beschäftigt. Das Buch stimmt nachdenklich und hat mich auch oftmals wütend gemacht, in Anbetracht der Schilderungen der Missachtung der Menschenrechte. Die geschilderten alltäglichen Grausamkeiten, die Angst vor dem Tod während der Bombenangriffe, die Angst vor der Verfolgung durch die Scharia und zu Letzt die stetige Sorge vor häuslicher Gewalt – all das war beim Lesen teilweise schwer zu verdauen. Für mich persönlich ist das alles weit weg, aber ich bewundere die Lailas und Mariams der Realität, für die dieses Leben alltäglich ist. Ich bewundere sie für die Kraft und den Mut, dieses Leben zu leben.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Botschaft, die das Buch mit sich bringt. Es zeigt, dass gerade während großer menschlicher Not der zwischenmenschliche Zusammenhalt unverzichtbar ist. Zudem zeigt es auch, dass die Liebe einem sehr viel Kraft und auch Mut verleiht und wie wichtig die Liebe im Leben und auch im Sterben ist.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich mag die Schreibweise des Autoren, die Geschichte war gut aufgebaut und die Charaktäre und ihre Handlungen waren stimmig. Mich hat dieses Buch absolut positiv überrascht, ich hätte vorher nicht gedacht, dass es mir so gut gefällt.

Aufgefallen ist mir jedoch auch, dass einige Handlungsstränge sehr vorhersehbar waren und es war einfach klar, was passiert. Oftmals ist dies ein Minuspunkt für mich, bei diesem Buch hat es meiner Lesefreude aber keinen Abbruch getan. Ich lag zwar stets mit meinen Vermutungen, was passiert, richtig, langweilig ist das Buch dadurch für mich jedoch nicht geworden.

Von mir gibt es daher volle 5 Sternchen für dieses Buch sowie eine Leseempfehlung.

Kommentare:

  1. Mir hatte das Buch auch sehr gut gefallen - vor allem, da man anhand von Laila auch gezeigt bekam wie modern Afghanistan mal war. In den Medien (und etwas reißerischen Büchern) bekommt man ja oft nur die erschreckenden und negativen Seiten eines Landes gezeigt und weniger die beeindruckenden Seiten.

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    1. Das stimmt, ich finde auch, dass dieser Aspekt im Buch sehr deutlich wird. Und das hat mir auch so gut daran gefallen, dass man einen Einblick in Dinge / Traditionen / Gewohnheiten erhält, die inzwischen einfach durch andere Dinge überschattet werden.

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