"Body - Leben im falschen Körper" von Christine Fehér

Ulli ist 15, verlässt das Haus nur selten ohne weite, lässige Klamotten und übt mit Freunden Tricks auf dem Skateboard. Geboren wurde Ulli im Körper eines Mädchens als Ulrike, doch für sich selbst ist Ulli ein Junge. Während Ulli schon lange bewusst ist, dass er im falschen Körper geboren wurde, gilt Ulli in seiner Umwelt als „Mannsweib“. Als Ulli sich in Sandy verliebt, begreift er, dass er endlich als Junge leben und vor allem akzeptiert werden möchte.

Mit „Body – Leben im falschen Körper“ ist Christine Fehér ein unheimlich emotionales Buch gelungen. Die Autorin verdeutlicht Ullis Leidensdruck und erklärt sehr verständnisvoll, wie schrecklich es sein muss, im falschen Körper gefangen zu sein. Dabei geht sie sehr stark auf Ullis Gefühle ein, so dass man diese auch sehr gut nachvollziehen kann. Während des ganzen Buchs habe ich sehr mit Ulli mitgefühlt und konnte mich gut in seine Gedankenwelt hineinversetzen. Die Autorin zeigt jedoch nicht nur die Gedanken und Gefühle Ullis, sondern auch die Reaktionen von Ullis Umfeld. Während Ullis Familie immer wieder versucht ihn in die Schublade „Mädchen“ zu stecken und einfach nicht nachvollziehen kann, warum Ulli weder ein Kleid tragen, noch sich schminken möchte, wird Ulli in der Schule beschimpft und ausgegrenzt. In diesen Situationen hätte ich diejenigen wirklich gerne geschüttelt und gefragt, warum sie nichts bemerken und vor allem, warum sie Ulli nicht einfach so annehmen, wie er ist.

Die Geschichte handelt während Ullis Gegenwart. In der ersten Hälfte des Buchs gibt es immer wieder Rückblicke auf Ullis Kindheit, welche dazu beitragen, dass man ein noch besseres Gefühl für Ulli und für seine Lebenssituation erhält. Etwa nach der Hälfte des Buchs werden statt der Rückblicke jedoch Vorschauen eingeschoben, welche Szenen aus Ullis zukünftigem Leben erzählen. Was vielleicht so klingt, als wäre es ein wenig verwirrend, passt sich jedoch gut dem Verlauf der Geschichte in der Gegenwart an. Diese Vorschauen fand ich sehr interessant, da man so erfährt, was aus Ulli wird und wie sein weiteres Leben verlaufen wird. Somit erzählt Christine Fehér auf 181 Seiten eine sehr umfassende Geschichte.

Fazit:

 „Body – Leben im falschen Körper“ ist ein hervorragendes Jugendbuch, welches ich nicht nur Betroffenen, sondern auch deren Angehörigen und allgemein Menschen, welche sich für das Thema Transidentität interessieren, nahe legen möchte. Die Autorin gewährt tiefe Einblicke in Ullis Denken und Leben, was auf mich stets sehr authentisch wirkte.



Christine Fehér / Body – Leben im falschen Körper / Sauerländer / 2003 / Hardcover / 181 Seiten / Diese Ausgabe ist neu anscheinend nicht mehr lieferbar, über die ISBN 978-3794170173 ist jedoch die Taschenbuchausgabe erhältlich.

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Kathrin Schrocke: Finding Alex << zur Rezension >>

Kommentare:

  1. klingt wirklich interessant - und ich kann mir vorstellen, dass es besonders für erzieher (incl. eltern) ein empfehlenswertes buch ist.

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    1. ja, das denke ich auch, dass es für diese Menschen empfehlenswert ist.

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