"Eine englische Art von Glück" von Andrea Levy



In „Eine englische Art von Glück“ erzählt Andrea Levy die Geschichte von vier Menschen im England der Nachkriegszeit. Zum einen sind da Queenie und Bernard, ein weißes Pärchen der englischen Mittelschicht, zum anderen sind da Hortense und Gilbert, jamaikanische Auswanderer.  Das Schicksal führt diese vier Menschen zusammen. Und obwohl sie alle völlig unterschiedlich sind, verbindet sie die jeweils eigene Suche nach dem Glück.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht einer der Protagonisten erzählt. Dabei bringt die Autorin durch unterschiedliche Sprache und Ausdrucksweise die Unterschiede der Protagonisten gut rüber. Ein wenig verwunderlich fand ich lediglich die Teile, in denen Gilbert erzählt. Seine Sprache ist eher lasch und schnodderig, während seine Gedanken sehr deutlich nd weder lasch noch schnodderig formuliert sind. Dieser Gegensatz passt aus meiner Sicht nicht zusammen.  Die Geschichte spielt hauptsächlich im Jahr 1948, wird jedoch immer wieder durch Rückblenden unterbrochen. Dadurch erhält man einen sehr umfassenden Einblick in das Leben der einzelnen Figuren und lernt sie gut kennen. Dabei wird sehr gut deutlich, dass jeder auf seine eigene Art nach dem Glück sucht, was mir gut gefallen hat.

Das Buch setzt sich sehr mit den Themen Rassismus und Rassentrennung auseinander. Andrea Levy schildert hier sehr viele Situationen, in welchen die Protagonisten diskriminiert werden – sei es weil sie eine andere Hautfarbe haben oder weil sie als Weiße Umgang mit Farbigen pflegen. Die Autorin nimmt hier kein Blatt vor den Mund, findet sehr deutliche Worte und beschönigt nichts. Mich haben die Schilderungen immer wieder wütend gemacht und manchmal wäre ich am liebsten ins Buch gesprungen und hätte mitgemischt.

Die erste Hälfte der Geschichte hat mir Andrea Levys Schreibe sehr gut gefallen. Sie beschreibt Dinge sehr bildhaft, so dass ich häufig fast schon einen Film vor dem Auge hatte. Irgendwann flaut dies jedoch ab, die Passagen werden unheimlich langatmig und ich habe mich über jede gelesene Seite, welche mich dem Ende näher gebracht hat, gefreut. Dies finde ich schade, denn in der ersten Hälfte konnte die Autorin mich absolut überzeugen.

Andrea Levy / Eine englische Art von Glück / Suhrkamp / 2008 / Taschenbuch / 555 Seiten / ISBN: 978-3-518-46023-8 / Preis: 9,90 € / Verlagsseite [X]

Kommentare:

  1. Schade, dass das Buch zum Ende hin schwächer wird. An sich klingt deine Rezi nämlich nach einer sehr interessanten Geschichte, die mir auch gefallen könnte...

    LG Nanni

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    1. Die Geschichte an sich ist auch sehr interessant, deswegen finde ich es auch schade, dass es nachher etwas abgeschwächt ist.

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