Interview: Jannis Plastargias

Heute möchte ich euch einen Autor vorstellen, dessen Bücher ich bislang mit viel Vergnügen gelesen habe: Jannis Plastargias.

Mein erstes Buch von Jannis ist "Plattenbaugefühle" gewesen. Dies ist ein Jugendbuch, indem es um die Liebe zwischen einem deutschen zu einem türkischen Jugendlichen geht. Hier haben die beiden Protagonisten nicht nur mit den mit einem Coming Out verbundenen Problemen zu kämpfen sondern müssen sich auch noch mit den Problemen, welche eine bi-nationale Beziehung mit sich bringen kann auseinander setzen. Mir haben sowohl Jannis Schreibe als auch die Geschichte selbst sehr gut gefallen. Hier gelangt ihr zu meiner Rezension *klick*. Das Buch ist wirklich toll und hat noch viele weitere Leser verdient!

Das zweite Werk aus der Feder von Jannis, welches ich gelesen habe, war "Schmerzwach: Ein Buch über das Leben, die Liebe und die neue BEAT-Generation". In Schmerzwach eröffnet Jannis dem Leser einen sehr interessanten Blick auf unsere jetzige Generation und unsere Zeit.Ich habe mich in vielen der Texten wieder gefunden, viele Texte habe mich auf eine gewisse Art berührt, manche haben mich informiert und manche haben mir interessante Einblicke gewährt.

"Der träumende Jonas" ist ebenfalls von Jannis und meine derzeitige E-Book-Lektüre. Bislang gefällt mir die Geschichte gut und ich vermute stark, dass dies auch so bleiben wird.  

"Schmerzwach"nennt sich auch Jannis Blog, welchen ich sehr gerne lese. Besonders gefällt mir an dem Blog die thematische Vielfalt. Schaut doch einfach mal vorbei, es lohnt sich!


Ich finde, dass man einen Menschen am besten dann kennenlernen kann, wenn man mit ihm redet. Deswegen habe ich Jannis einfach ein paar Fragen gestellt, denn das finde ich persönlich wesentlich interessanter, als wenn ich euch einfach nur erzähle, dass er 1975 in Kehl am Rhein geboren wurde, Grund- und Hauptschullehramt sowie Pädagogik studiert hat und seit dem Schuljahr 11/12 als Klassenlehrer einer Grundschule arbeitet.




Bitte stelle dich selbst in maximal 3 Sätzen vor:

Jannis Plastargias a.k.a. schmerzwach, Digitaler Bohème, Möchtegern-Beatnik der neuen Generation - freier Autor, Blogger, Kulturmanager, Lebenskünstler und Tausendsassa

Woher bekommst du deine Ideen? Was oder wer inspiriert dich?

Zwar behaupte ich immer, kein Idealist und kein Kämpfer für eine bessere Welt zu sein, doch es sieht so aus,dass manche Themen Herzensdinge von mir sind, Dinge, die mich betreffen oder betroffen machen. Das Anderssein hat mich immer sehr beschäftigt, eine andere Herkunft haben, eine andere Hautfarbe, Sexualität, Lebenseinstellung oder sonst etwas, das die Leute voneinander unterscheidet. Manche Themen kommen zugeflogen, ich musste mir noch nie ein Thema suchen...

Was führte zu deinem Entschluss, zu bloggen und daraus ein Buch zu machen?

Das Bloggen entstand aus dem Gefühl heraus, gelesen zu werden. Ich konnte es nicht mehr abwarten, bis ich endlich in einem Verlag veröffentlicht zu werden. So begann ich zu bloggen und es machte mir von Anfang an richtig viel Spaß! Diese Freude wollte ich auch in eine Print-Version transportieren, die für Leute gedacht ist, die nicht so gerne am Bildschirm lesen, die es auch kontinuierlicher mögen. Ich habe meinen Blog auch nicht eins zu eins ins Blog-Buch übertragen, sondern Texte ausgewählt und manche Running Gags vorher erklärt.

Schmerzwach ist ein Buch, welches ebenso wie dein Blog, viel von dir, deiner Persönlichkeit und deinen Gedanken freigibt. Wie fühlt sich das für dich an, öffentlich so offen zu sein, soviel von sich selbst Preis zu geben und damit auf gewisse Art auch angreifbar zu machen?

Anfangs gab es häufiger verstörte Kommentare in meinem Umfeld, so nach dem Motto: Wieso gibst du so viel Preis, wieso bist du so grenzenlos? Das hat mich manchmal etwas genervt. Erstens setze ich Grenzen anders, zweitens trenne ich Privat/Berufliches/Online/Offline nicht, alles ist irgendwie eins, ich bin immer authentisch, glaubwürdig und ehrlich. Doch ich muss zugeben, dass ich in Bezug auf Menschen, die ich mag, mittlerweile neue Grenzen gezogen habe, nicht meinet- sondern ihretwillen. 

Hast du durch deine Offenheit auch schon mal negatives erlebt oder negative Resonanz erhalten?

Wie gesagt: anfangs gab es gelegentlich negative bzw. "verstörte" Resonanz, aber die positive Resonanz überwog bei Weitem. Viele hatten auch nicht verstanden, was ich mit dem Blog vor hatte. Zu mir, zu meinem Schreiben, zu meinen Werken gehört diese Art. Wenn ich gegen irgendeine Regel verstoße und darauf hingewiesen werde, ändere ich das im Blog sofort wieder. Denn a) möchte ich keine anderen Menschen in die Pfanne hauen, b) habe ich immer ein offenes Wort für konstruktive Kritik und gute Ratschläge.

Welches war dein bisher schönstes Erlebnis in Zusammenhang mit der Veröffentlichung deiner Bücher?

Es gibt mittlerweile einige schöne Geschichten im Zusammenhang mit meinen Büchern, insbesondere von Plattenbaugefühle. Ein netter Junge befreundete sich mit mir auf Facebook und schrieb mir eine Nachricht. Er sollte eine Buchvorstellung für die Schule schreiben und wählte dafür meinen Roman aus. Ob ich ihm helfen könne... Natürlich tat ich das. Als ich einige Zeit später auf der Plattenbaugefühle-Fanseite auf Facebook postete, dass der Junge eine 1 dafür bekam, meldete sich ein anderer Junge per Kommentar, der ebenfalls mein Buch vorgestellt und eine 1 dafür erhalten hatte. Das fand ich super! Es machte mich genauso stolz wie in die "Mobile Bibliothek" des Lesbisch-Schwulen Verbandes Berlin-Brandenburg zu gelangen, immerhin gab es nur zwei weitere Bücher in diesem Genre, die es dahin geschafft haben. Jetzt ist Plattenbaugefühle "Schullektüre" in Berlin und Brandenburg. Ich durfte auf der Pressekonferenz in einem Berlin Neuköllner Gymnasium aus dem Buch lesen. 

Bekommst du viel Resonanz auf „Plattenbaugefühle“, vielleicht auch von Jugendlichen, welche ähnliches erlebt haben? Was bedeutet diese Resonanz für dich?

Ich habe mehrmals im schwullesbischen Milieu gelesen, in zwei Jugendzentren (Frankfurt und München) zum Beispiel, auch vor etlichen Schulklassen - und es war einfach toll, ins Gespräch mit den Jugendlichen zu kommen. Es war fantastisch zu hören, wenn jemand mich für die Sprache und für die Beschreibung der Gefühle gelobt hat. Es macht/e mich stolz, wenn sich Jugendliche mit den Figuren und der Geschichte identifizieren können. Ziel erreicht!

Hast du literarische Vorbilder?

Es gibt Schriftsteller, die ich sehr schätze, drei davon haben den gleichen Namen: Philip K. Dick, Philip Roth und Philippe Besson - so unterschiedlich sie sind. Ich mag die Beatniks natürlich, sehe mich auch etwas in dieser Tradition, aber eher gefühlt als was die Technik angeht. Benedict Wells finde ich auch ganz toll, Guido Rohm ebenso. Siri Hustvedt, Monika Maron und Sylvia Plath sind Autorinnen, die ich sehr schätze. Doch ich versuche niemanden zu kopieren, nachzuahmen... 

Welche 3 Bücher (nicht deine eigenen ;-) )würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Vielleicht würde ich auf der einsamen Insel endlich die "Herr der Ringe"-Trilogie lesen... Oder die Trilogie von Floortje Zwigtman um Adrian Mayfield. Wenn die Frage auf meine Lieblingsbücher abzielen sollte, dann würde ich Siri Hustvedt: Was ich liebte; Philippe Besson: Eine italienische Liebe und Philip K. Dick: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch aussuchen.

Das Schlusswort steht dir völlig frei. Erzähle eine Lebensweisheit, einen Witz, einen Schwank aus deiner Jugend oder was auch immer du gerne zum Abschluss sagen magst :- )

Ach, nein, jetzt soll ich das kluge Interview am Ende zerstören? Nein, nein, das mache ich nicht. Kein Witz (kann ich eh nicht erzählen), kein Schwank (kann man auf dem Blog nachlesen), keine Lebensweisheit (habe ich keine). Ich möchte alles ausprobieren, dem Imperfekten eine Chance geben, viel Spaß haben. Ich hoffe, den habt ihr auch!



Wer Jannis nun einmal live erleben möchte, kann dies am Sonntag, 14.10.2012, auf der Frankfurter Buchmesse. Dort liest er um 13 Uhr am Stand des Größenwahn Verlags. Und am 12.10.2012 kann man ihn ab 22 Uhr als Moderator bei der Mitternachtsfantasy im Glücksladen im Baumweg 20 in Frankfurt erleben.



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